Vietnam: Mit harter Hand gegen Andersdenkende.

In Vietnam am Montag sind 22 Aktivisten einer verbotenen religiösen Gruppierung für viele Jahre hinter Gitter geschickt worden. In einem der größten Prozesse seit Jahren wurden sie beschuldigt, den Sturz der KP geplant zu haben.

Die kommunistische Führung Vietnams lässt keine Zweifel an ihrem Machtanspruch zu und geht seit Monaten massiv gegen oppositionelle Strömungen und Dissidenten vor. "Propaganda gegen den Staat", heißt es dann meist, oder wie jetzt: "Umsturzversuch". Eine obskure religiöse Gruppierung wurde in Phu Yen mit langen Gefängnisstrafen abgeurteilt.

Die staatlichen Medien berichteten von angeblichen Plänen, die sozialistische Regierung zu stürzen. Die Anklage hatte den im Februar 2012 Verhafteten vorgeworfen, unter dem Deckmantel eines Reiseveranstalters für Ökotourismus politisch aktiv gewesen zu sein und die KP sowie die "Volksherrschaft" verunglimpft zu haben. Sie sollen auch Geld aus dem Ausland erhalten haben. 

Der Anführer der von ihm im Jahr 2003 gegründeten und von den Behörden als reaktionär bezeichneten Gruppe, Phan Van Thu, erhielt eine lebenslange Gefängnisstrafe, wie ein Anwalt der Verurteilten mitteilte. Die anderen Männer wurden demnach zu Haftstrafen zwischen zehn und 17 Jahren verurteilt.

Die in den 1960er Jahren gegründete Gruppe soll am Buddhismus orientiert sein. Sie war nach dem Sieg über die USA 1975 von den Kommunisten offiziell verboten worden. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur AVI soll die Gruppierung im Zentrum und im Süden Vietnams etwa 300 Mitglieder haben.  

Erst im Januar waren 14 mehrheitlich katholische Regierungskritiker zu Gefängnisstrafen zwischen drei und 13 Jahren verurteilt worden. Ihnen wurde ebenfalls ein Umsturzversuch vorgeworfen.

(DW.de)